Lehnswesen (7. Klasse)

Unterrichtsentwurf: Lehnswesen

1 Lerngruppenanalyse

Die Klasse der siebten Jahrgangsstufe besteht aus 21 Jungen und nur sechs Mädchen. Man erkennt sofort die enorme männliche Präsenz, welche sich auch im Unterrichtsalltag wiederspiegelt. Zusätzlich ist es auch eine sehr lebhafte Klasse, was eventuell auch mit diesem Geschlechterverhältnis zusammenhängt. Denn die anderen siebten Klassen sind wesentlich gemischter und auch ruhiger. Die Leistungsträger der Klasse sind auch hauptsächlich männlich, jedoch gibt es im Allgemeinen keine nennenswerten Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen, dennoch dominieren die männlichen  Schüler die mündliche Beteiligung. In manchen Stunden scheint es, dass die Mädchen sich zu unsicher fühlen, um sich am Unterricht zu beteiligen. Andererseits ist der Umgangston zwischen den Schülern und Schülerinnen aber auch zum LehrerIn sehr freundlich.

Es gibt keinen Schüler, der sich aus dem Unterrichtsgeschehen völlig ausklinkt, jedoch sind sehr viele Jungen in der Klasse, die zwar gut mitarbeiten, aber so ein großes Mitteilungsbedürfnis haben, dass sie auch einfach ihren Arbeitsauftrag völlig vergessen und sich nur mit ihrem Nachbarn unterhalten. Man kann dies nicht auf einige wenige beschränken, sondern es ist eine allgemeine Unruhe in der Klasse, die unterschiedliche Initiatoren hat und sich schnell verbreitet. Dies merkt man vor allem sobald ein Arbeitsauftrag von den Schülern bearbeitet werden soll, dann bricht immer erst ein allgemeiner Aufruhr aus, der manchmal zu enormen Verzögerungen sorgt. Dies beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Jungen dieser Klasse, denn auch die Mädchen lassen sich einfach ablenken.

Abschließend ist zu sagen, dass diese siebte Klasse gut mitarbeitet, aber auch sehr wild sein kann. Es gibt keine spezifischen Merkmale dieser Klasse, die herausstechen: Keine Probleme die durch Migrationshintergrund, Verhaltensauffälligkeiten oder Leistungsverweigerung entstehen. Weiterhin sind auch  die Leistungen überdurchschnittlich gut  im Fach Geschichte im Vergleich zu anderen Klasse, jedoch ist es schwer die Schüler an eine förderliche Arbeitsmoral zu binden. Daher sind klare und genaue Arbeitsaufträge von großer Bedeutung. Es gibt die „normalen“ Unterschiede zwischen den Leistungsstarken und Leistungsschwachen, was jedoch keine außerordentliche Problematik darstellt, sondern mit gezielten, differenzierten Aufgabenstellungen im Unterricht aufgefangen werden kann.

2 Sachanalyse[1]

Das Thema dieser Lerneinheit ist das Lehnswesen am Beispiel des Karolingerreichs. Die feudalistische Regierungsform des Mittelalters basiert auf einzelne Personen, daher auch Personenverbandsstaat genannt. Sie basiert auf den Austausch von Lehen in Form von Landbesitz, Ämtern und Vermögen des Lehnsherren und der militärischen Hilfe, Treue und Beratungstätigkeit des Vasallen. Dabei nehmen die Kronvasallen, also die Vasallen des Königs, eine besondere Stellung in der Regierung und Gesellschaft ein, da die Nähe zum sakralen Königtum die eigene Person und Familie von anderen Adelsfamilien erhebt. Dabei sind die besonderen Ämter, wie Kämmerer, Marschall und Truchsess, am Hofe des Königs besonders hervorzuheben, da sich auch für das Hoch- und Spätmittelalter durch die Kurfürsten sehr wichtig wurden.

Natürlich waren nur männliche Adlige und hohe Geistliche Lehnsherren oder Vasallen,  da sie als Eliten des Reiches das Land auf lokaler Ebene regierten und deshalb der König versuchte sie an sich zu binden. Die Vasallen strebten eine Vererbung des Lehens an, während der König versuchte dies zu verhindern. Das Problem der verschiedenen mit einander ringenden Machtzentren in deutschen Gebieten zieht sich durch das ganze Heilige Römische Reich bis zur Reichsgründung 1871. Daher waren geistliche Vasallen wesentlich beliebter für Könige als weltliche, da diese keine rechtlichen Erben haben konnten und so das Lehen immer an den König zurückging. Dies war auch ein wichtiger Faktor, weshalb es zum Investiturstreit kam.

3 Didaktische Analyse

Nach dem  hessischen für G8 überarbeiteten Lehrplan ist das Lehnswesen in Klasse 7 zu behandeln, da die Schüler zentrale Aspekte der politischen und  kulturell-geistigen Herausbildung des alten Europas erkennen sollen. Sie verstehen, dass Herrschaftsstrukturen das Leben der Menschen im Mittelalter bestimmt haben und setzten sich mit dem mittelalterlichen Weltbild auseinander.[2]  Das Lehnswesen ist die Herrschaftsform des Mittelalters und konstatiert am deutlichsten das Verhältnis zwischen König und der Reichsaristokratie, sowie die Verwaltung des Frankenreiches.

Das Lehnswesen verdeutlicht exemplarisch das Problem zwischen föderaler Gewalt und zentraler Gewalt, welches nicht nur auf das Herrschaftssystem des Mittelalters beschränkt ist, sondern auch auf die Bundesrepublik Deutschland, welches mit den föderalen Bundesländern im Gegensatz zur Bundesregierung steht, beziehen kann. Die Problematik des Föderalismus in Deutschland ist immer noch ein aktuelles Thema, vor allem wenn man die Bildungspolitik einbezieht. Deswegen ist der Inhalt dieser Unterrichtseinheit auf der Metaebene noch heute und in der Zukunft brisant, da die besondere Bedeutung des Föderalismus in Deutschland viele Probleme aufwirft, vornehmlich wenn Bundesebene und Landesebene sich überschneiden.

4 Methodische Analyse

Der Einstieg zu der Unterrichtseinheit „Lehnswesen“ findet im Lehrer-Schüler-Gespräch statt,  in welchem die Schüler in einem Gedankenexperiment sich in die Rolle des Königs, somit auch in das Weltbild des mittelalterlichen Menschen, versetzen sollen und sich zu der gestellten Frage äußern sollen. Die Ergebnisse werden an der Tafel gesammelt. Durch diese Sozialform setzen Schüler, die sich besser mit einem anderen Weltbild auseinandersetzten können, Impulse für ihre Mitschüler, so dass diese auf den richtigen Gedankenzug finden. Alternativ könnte dies auch in Einzel- oder Partnerarbeit stattfinden, dann wären die Schüler individuell mehr gefordert, jedoch wären die Ergebnisse ohne Lenkung vom Lehrer zu zerstreut, um abschließend den angestrebten Rückbezug auf den Einstieg in der Sicherung zu machen und einige Schüler neigen dazu sich bei Einzelarbeit auszuklinken, wenn sie so frei gehalten ist und keine Sinn dahinter sehen.

Anschließend soll eine Gruppenarbeit folgen, in der die Schüler mit ausgewählten Darstellungstexten das Lehnswesen erarbeiten und ein Schaubild anfertigen sollen. Dabei wird das Schema dieses Schaubildes vorgegeben, da es sonst eine Aufgabe ist die sich auf einem Abstraktionsniveau befindet, welche die Schüler dieser siebten Klasse überfordern würde, andererseits steht es ihnen offen  freier zu arbeiten. Die Schüler sollen es in Gruppen erarbeiten, damit sie eigenständig das Herrschaftssystem des Mittelalters erschließen, jedoch Unklarheiten von Begriffen, wie Vasall oder Lehen sich gegenseitig in der Gruppe durch die gegebenen Materialien erschließen. Denn es ist enorm wichtig, dass die Schüler mit diesen Fachbegriffen sicher umgehen können und ihren Mitschülern auch erklären können. Zusätzlich entsteht die Möglichkeit, dass die Schüler untereinander einen Zugang für ihre Mitschüler schaffen, welches der Lehrer nicht erreichen kann, da sein Fachwissen manchmal auch zum Hindernis werden kann.

In der Sicherung sollen zwei bis drei Gruppen ihre Ergebnisse auf Folie vorstellen. Falls es große Unterschiede innerhalb der Gruppenergebnisse gibt, müssen diese natürlich im Gespräch geklärt werden, da die Korrektheit dieses Themas natürlich noch gewährleistet werden muss. Diese Sicherung scheint mir in Verbindung mit der Erarbeitungsphase am sinnvollsten, da die Schüler auch die Chance haben ihre Ergebnisse vorzustellen und eventuelle Unklarheiten noch mündlich aufklären können. Weiterhin haben sie den Anreiz die Aufgabe auch zu bearbeiten, da sie auch wissen, dass sie eventuell ihre Ergebnisse vor der Klasse vorstellen müssen.

Falls nach der Sicherung noch Zeit ist, soll auf die anfangs gesammelten Ideen der Schüler eingegangen werden, wodurch der Bogen zu ihren eigenen Vorstellungen geschlagen wird. Dadurch soll den Schülern bewusst werden, wie sie das Weltbild des Mittelalters von ihrem eigenen differenzieren können. Weiterhin können die Schüler anhand ihrer eigene Vorschläge nachvollziehen, weshalb sich das Lehnswesen herausgebildet hat. Als Vertiefung soll anschließend noch der Konflikt zwischen Adel und König anhand der erstellten Schaubilder in einem Lehrer-Schüler-Gespräch herausgearbeitet werden, jedoch ist dies nur ein optionales Maximalziel falls noch genügend Zeit vorhanden ist.

Der Schwerpunkt der didaktischen Reduktion liegt hauptsächlich in den Fachbegriffen und der Folgen des Lehnswesens. Begriffe wie „Personenverbandsstaat“ sind auch in der Forschung noch umstritten und helfen den Schülern nicht den Kern dieses Inhalts zu verstehen. Die Folgen des Lehnswesen, welche in der Sachanalyse genannt worden sind,  erfordern ein geschichtliches und politisches Hintergrundwissen, welches Schüler in der siebten Klasse noch nicht haben können. Dieses Wissen können sich die Schüler jedoch im Laufe ihrer Schullaufbahn aneignen, so dass Lehnswesen auch in der Zukunft der Schüler von Bedeutung ist.

5 Lernziele

Das grobe Lernziel dieser Unterrichtseinheit ist, dass die Schüler das Lehnswesen verstehen und erklären können. Weiterhin können sie die Begriffe Lehen, Lehnsherr und (Kron-)Vasall sicher benutzen. Die Schüler verstehen, dass das Herrschaftssystem das Leben der Menschen im Mittelalter stark beeinflusst hat, so wie es in den Lernplan vorgesehen ist. Das Normalziel ist die Erarbeitung des Lehnswesens, welches von mindestens zwei verschiedenen Gruppen auch vorgestellt werden soll. Das Maximalziel sollte sein, dass im Anschluss noch Bezug auf den Einstieg genommen wird und die Schüler die Entstehung des Lehnswesens von sich selbst aus nachvollziehen können. Weiterhin gehört zum Maximalziel, dass die Problematik des Vererbens eines Lehens auch thematisiert wird.

Das Feinziel der Einstiegsphase ist, dass die Schüler verstehen, dass im Mittelalter die Menschen ein anderes Verständnis von Herrschaft und politischem System hatten, in welches sie sich hineinversetzen können. In der Erarbeitungsphase sollen sie das Lehnswesen kennen und verstehen lernen, sodass sie es übertragen und deuten können, welches anhand des Schaubildes gewährleistet wird. Weiterhin werden durch die Gruppenarbeit Sozialkompetenzen der einzelnen Schüler gestärkt. In der anschließenden Sicherungsphase sollen die Schüler das erarbeitete Thema schildern und erklären können.

Die affektiven Lernziele sollen in der letzten Phase, im Rückbezug zum Einstieg, erreicht werden, wenn die Schüler realisieren, dass ihre Gedankengänge Ähnlichkeiten zu denen der Menschen des Mittelalters haben. Wenn die Schüler merken, dass sie sich mit anderen Kulturen und Zeiten identifizieren oder  diese zumindest nachvollziehen können, wird auch das Interesse am Fach Geschichte geweckt. Das allgemeine, affektive Lernziel ist natürlich, dass die Schüler den Wert einer Demokratie im Gegensatz zu einem stark hierarchischen Herrschaftssystem erkennen. Letztendlich sind die psychomotorischen Lernziele, dass die Schüler von Sachtexte zu verstehen, ein informatives und aussagekräftiges Schaubild anzufertigen und die Fähigkeit erlernen vor der Klasse ihre Arbeit zu präsentieren.

6 Verlaufsplan

Zeit in min Phase Medien Sozialform Lernziel
5 Einstieg Tafel L-S-G Die SuS können sich in ein anderes Weltbild hineinversetzen
5 EAP I Arbeitsblatt Einzelarbeit Die SuS können einen historischen Sachtext verstehen
20 EAP II Arbeitsblatt / Folie Gruppenarbeit Die SuS können die wichtigsten Informationen eines Textes abstrahieren und verbildlichen
10 Sicherung Folie Schülervortrag Die SuS können ein komplexes Thema vorstellen und erklären
5 Reflexion Tafel/Folie L-S-G Die SuS können ein mittelalterliches Geschichtsbewusstsein erlangen

7 Reflexion

Die Stunde verlief meiner Meinung nach gut, da die Schüler außergewöhnlich gut mitgearbeitet haben. Die Zeiteinteilungen für die einzelnen Unterrichtsphasen haben sich auch in der Realität bewiesen, auch wenn einige Schüler schon sehr schnell fertig mit der ersten Aufgabe waren, so konnten diese schon die Zusatzaufgabe bearbeiten. Aber auch der Einstieg hat sehr gut funktioniert, da von den Schülern genau die Antworten kamen, die ich erwartet habe, sodass die Überleitung zur Arbeitsphase sehr flüssig war. Ich habe mir Sorgen gemacht, dass die Überleitung nicht funktionierte, da ich in meiner ersten Unterrichtsstunde solch eine Überleitung verpatzt habe und die letzten zehn Minuten des Unterrichts einfach nur chaotisch waren.

Auch die Einzelarbeit, in der die Schüler den Text lesen sollten, hat sehr gut funktioniert: Die Schüler haben Fragen bezüglich Fremdwörter gestellt, die sie nicht verstanden haben und die Klasse hat sie im Plenum geklärt. Auch die Arbeitsmoral in der Gruppenarbeit war für diese Klasse enorm gut, welches aber durch die vielen Gäste bedingt war. Es wäre für mich sehr interessant zu wissen, ob ich diese Stunde auch im normalen Unterrichtsalltag hätte durchziehen können. Besonders negativ ist mir mein Arbeitsblatt aufgefallen. Zwar haben die Schüler die Aufgaben gut bearbeitet, jedoch war das Schaubild noch zu abstrakt, um es als Siebtklässler vollständig und richtig auszufüllen.[3] Das größte Manko war, dass ich einige Pfeile aus dem Schaubild entfernt habe, damit die Schüler diese selbstständig ergänzen, jedoch hat  kein Schüler diese Aufgabe verstanden und die Parallelität dieses Schema erkannt.

Gerade in der Sicherungsphase ist es deutlich geworden, dass die Lösungen sehr unterschiedlich waren und eine noch rigidere Vorgabe nötig gewesen wäre. Hierbei hat meine methodische Analyse teilweise versagt, da ich das Abstraktionsniveau von Siebtklässlern nicht richtig einschätzen konnte. Andererseits gelang der Rückbezug vom erarbeiteten Lehnswesenmodell zum Einstieg und einigen Schülern wurde hoffentlich klar, dass die vielen theoretischen Modelle und Schaubilder in der Geschichte nicht nur tote Konstrukte sind, sondern sie selbst auch danach handeln würden. Zum Schluss blieben sogar noch fünf Minuten übrig, sodass die Zusatzaufgabe, welche sich mit den Lehnswesen bedingten Problemen beschäftigte, noch in der Klasse besprochen werden konnte.

Im Nachhinein würde ich die Stunde etwas anders konstruieren. Der Einstieg könnte man mit wesentlich mehr Schülerpartizipation gestalten. So hätten die Schüler in der Form eines Rollenspiels zur Schau stellen könne, wie sie als Könige die Adligen für sich überzeugen würden. Dabei hätte ich dem König analog zum Lehen Süßigkeiten gegeben und ihm dem Aufgabe gestellt von einem Schüler, der den Adligen repräsentiert, einen bestimmten Gegenstand im Austausch dafür zu bekommen. Dadurch wäre die Beziehung zwischen König und Adligen wahrscheinlich noch viel deutlicher bei den Schülern angekommen, andererseits muss man auch beachten, wie viel Zeit dies in Anspruch genommen hätte, daher wäre dies eine Option für eine Doppelstunde.

Weiterhin hätte ich natürlich auch das Arbeitsblatt geändert, in der Form wie man sie im Anhang: „Alternatives Schema“ sehen kann. Dadurch haben die Schüler eine stark vorgegebene Richtung, welches für diese Jahrgangsstufe definitiv angemessen ist. Im Gegenzug hätte ich aber auch die Zeiteinteilung zu Gunsten der Sicherung und Vertiefung verlegt, da das Arbeitsblatt durch diese Vereinfachung wesentlich schneller und auch richtig ausgefüllt werden kann. Außerdem hätte ich versucht, den Schwerpunkt der Stunde auf die Folgen und Probleme des Lehnswesen zu lenken, da die Schüler dadurch am deutlichsten wird, welche Probleme in der Geschichte behandelt werden.


[1] Ph. Contamine, ‘Lehen, -swesen; Lehnrecht, III. Frankreich’, in Lexikon des Mittelalters, 10 vols (Stuttgart: Metzler, [1977]-1999), vol. 5, cols 1813-1816, in Brepolis Medieval Encyclopaedias – Lexikon des Mittelalters Online.

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